27.03.2012 | Berlin

Milan Radanovic: Serbische Geschichtspolitik im neuen Jahrtausend

Die Gleichzeitigkeit von akademischem Geschichtsrevisionismus und staatlicher Vergangenheitsumdeutung

RLS - SEE / Milan Radanovic: Serbische Geschichtspolitik im neuen Jahrtausend

Der moderne akademische und staatliche Geschichtsrevisionismus, der sich in allen europäischen Ländern zeigt, die in den letzten zwei Jahrzehnten eine politische Transformation des ehemaligen sozialistischen Systems zu einem neuen kapitalistischen System durchgemacht haben, ist bestrebt, die Perzeption der «unrühmlichen faschistischen Vergangenheit» zu verändern, indem Kollaborationsregime ihres menschenverachtenden Ballastes aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs befreit werden. Diese Tendenz ist gekennzeichnet durch eine ‹Normalisierung› der Kollaboration einheimischer Bourgeoisien mit dem faschistischen Besatzer. Dem Geschichtsrevisionismus liegt eine offensichtliche ideologische und politische Motivation zugrunde: Sie gründet sich einerseits auf dem Nationalismus und einem antikommunistischen Ressentiment innerhalb der Trägergruppen dieser Bestrebungen, und andererseits im strategischen Versuch, durch das Geraderücken «historischen Unrechts» mittels der Rehabilitation tatsächlicher und vermeintlicher Opfer, politisches Kapital zu erlangen.

Der Belgrader Historiker Milan Radanovic untersucht in dieser Studie diese Prozesse am Beispiel Serbiens.